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Integriertes Marketing ist eine Wunschvorstellung

By   September 8th, 2017

Integriertes Marketing ist für Unternehmen, ihre Agenturen und Digital-Dienstleister ein riesen Thema. Alle Seiten betonen unentwegt, wie wichtig es ist, alle Maßnahmen im Gesamtkontext zu betrachten und aufeinander abzustimmen. Zu Recht, denn die Vorteile liegen auf der Hand: Effektivere und effizientere Kampagnen, besseres Werbeerlebnis für den Konsumenten und bestenfalls weitere Synergieeffekte. Doch in der Realität ist integriertes Marketing eher Wunsch als Wirklichkeit.

Jeder zweite Marketer gibt laut Digital Marketer Census 2016 an, dass Online- und Offline-Marketing nicht ausreichend oder gar nicht integriert betrieben werden. Bei den reinen Online-Disziplinen sieht es nicht besser aus. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht hier Nachholbedarf. Dabei sind im digitalen Marketing zumindest die technologischen Voraussetzungen ideal. Erschreckend ist, dass sich in den vergangenen zwölf Monaten scheinbar nichts getan hat. Die Ergebnisse aus 2015 zeigen ein vergleichbares Bild. Den zahlreichen Debatten um integriertes Marketing sind offensichtlich keine Taten gefolgt. Das ist umso fataler, wenn man bedenkt, wieviel sich gerade im Digital-Marketing und auf technologischer Ebene tut. Das ungenutzte Potenzial wächst beinahe täglich. Warum aber greifen die Unternehmen nicht zu?

Die größte Hürde ist wohl, dass die Verantwortlichen ihre lieb gewordenen Prinzipien hinterfragen und teilweise sogar aufgeben müssen. Integriertes Marketing ist weder etwas, das man Top-down durchdrücken kann, noch lässt es sich Bottom-up etablieren. Integriertes Marketing ist ein Leitbild, dem sich alle Beteiligten öffnen und verschreiben müssen. Dazu muss man aber erst einmal über seinen Schatten springen, teilen und abgeben. Zugegeben, das ist nicht leicht. Aber mit Einstellungen wie „Was meins ist, ist meins“ oder „Mein Weg ist der einzig richtige“ werden wir nicht weiterkommen.

Auch verstecken sich viele Marketing-Verantwortliche immer noch hinter vermeintlich schwer überwindbaren Hindernissen: Silodenken, gewachsene Unternehmensstrukturen, fehlendes technisches Know-how. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das Verharren in der eigenen Komfortzone nutzt kurzfristig wahrscheinlich der Bestandssicherung, ein Karriere-Booster ist es ganz sicher nicht. Liebe Marketer, integriertes Marketing ist eine Frage des Willens. Wer weiterkommen will, muss mutig sein und Neues wagen. Schon jeder kleine Schritt ist ein guter Anfang.

Marketingmaßnahmen erzielen die bestmögliche Wirkung, wenn sie über Kanäle hinweg ineinandergreifen und dem Kunden über jeden Kontaktpunkt ein schlüssiges Werbeerlebnis bieten. Unternehmen dürfen daher nicht in Kanälen denken, Kunden tun dies schließlich auch nicht, wie die Customer Journey aufzeigt. Soll integriertes Marketing endlich auch in der Realität ankommen, muss das gesamte Unternehmen an einem Strang ziehen und sich dabei agil und kooperativ zeigen. Das Gleiche gilt für Berater, Agenturen und Digital-Dienstleister. Nur dann kann integriertes Marketing wirklich gelebt werden.